Kaum zu fassen: Blue Wings verlieren in der letzten Sekunde

Eine knappe und vor allem bittere Niederlage! Obwohl der jüngste Heimsieg – 36:30 gegen die Braunschweig Lions II – vor der Sommerpause schon zu einem wahren Krimi ausartete, wurde vergangenen Samstag nochmals eine Schippe draufgelegt. Rund 250 Zuschauer trotzten dem durchwachsenen Wetter und mussten im TV-Jahn Stadion zudem miterleben, wie Wolfsburgs Footballer gegen Ritterhude dieses Mal den Kürzeren zogen. Dabei begegneten sich die Mannschaften nicht nur spielerisch auf Augenhöhe, sondern hatten beide auch mit einem geschwächten Kader zu kämpfen. In einem offenen Schlagabtausch wechselte die Führung hin und her, am Ende brachte jedoch der letzte Spielzug die Entscheidung, so dass sich die Blue Wings mit 35:40 (7:6/7:15/8:7/13:12) geschlagen geben mussten. TV-Jahns Footballer hatten den Sieg bis eine Sekunde vor Schluss selbst in der Hand, jedoch reichte den Gästen dieser einzelne Moment, um sämtliche Hoffnung zu zerschlagen. Trotz Niederlage bleibt der Klassenerhalt in greifbarer Nähe, zumal die Wings ihr Schicksal immer noch selbst in der Hand haben. Nun bleibt erst mal die Frage, welche Aufgaben die Mannschaft aus diesem Spiel mitnimmt.

Den besseren Start erwischten definitiv die Wolfsburger, welche das Angriffsspiel von Ritterhude bereits vorzeitig stoppen konnten und anschließend vom eigenen starken Laufspiel profitierten. Der erste Touchdown des Tages ließ nicht lange auf sich warten, indem Runningback Kevin Walter die verbleibenden zwei Yards mithilfe seiner Vorblocker mühelos überbrückte. Der Extrapunkt von Kicker Chris Sonderhoff war gut (Stand 7:0). Die Gäste hatten weiterhin Anlaufschwierigkeiten und mussten Ball frühzeitig – mit dem Rücken zur eigenen Endzone – wieder abgeben. Doch auch die Wolfsburger gerieten ins Stocken und verloren den Ball durch eine Interception. Diese Situation nutzten die Badgers aus und meldeten sich kurz darauf mit einem 25-Yards Pass in die Endzone zurück. Der anschließende Extrapunkt ging daneben (Stand 7:6).

Auch im zweiten Quarter hielt die Durststrecke der Blue Wings noch an, die den Ball abgeben mussten, da sie knapp vor einem neuen ersten Versuch gescheitert waren. Nach einem beeindruckenden Punt startete die Offense der Badgers an der eigenen drei Yard Linie, marschierte dennoch über das gesamte Spielfeld und erzielte schließlich nach einem kurzen Lauf den nächsten Touchdown und somit die Führung. Auch die Two-Point-Conversion war erfolgreich (Stand 7:14). Nun meldeten sich auch die Gastgeber wieder zurück, die nur wenige Versuche benötigten, um sich bis zur gegnerischen Endzone vorzuarbeiten. Die restlichen Yards zum Touchdown erledigte Quarterback Henrik Bosse dann selbst. Der Extrapunkt war erneut erfolgreich (Stand 14:14). Ritterhude benötigte

im Anschluss nur einen einzigen Spielzug – 75-Yards Lauf in die Endzone – um die Führung wiederherzustellen. Der Extrapunkt war erfolgreich (Stand 14:21). Weitere Punkte blieben vorerst Mangelware, so dass Wolfsburg mit einem Rückstand in die Pause ging.

Nach der Halbzeit mussten beide Mannschaften offenbar erst wieder in ihren Rhythmus finden. Die Wings starteten zwar den ersten Angriffsversuch, hatten jedoch Schwierigkeiten, sich nach vorne zu arbeiten. Dafür sorgte dann Wolfsburgs Defense mit einer Interception dafür, dass die Mannschaft nicht noch weiter in Rückstand gerät und den Anschluss halten kann. Das Angriffsspiel der Gastgeber wurde jedoch ein weiteres Mal vom Pech verfolgt, als das Ballrecht durch einen Fumble wieder an die Badgers abgegeben wurde. Diese hatten eine Antwort parat und ließen sich dieses Mal nicht aufhalten. Nach einem weiteren kurzen Lauf durch die Mitte, jubelte Ritterhude erneute und konnte die Führung ausbauen. Der Extrapunkt war erfolgreich (Stand 14:28). Aufgrund des spürbaren Rückstands war die Leistung der Mannschaft umso mehr gefragt, die jetzt nochmal auf das Gaspedal drückte. Bereits mit dem Kickoff-Return brachten sich die Wolfsburger in eine gute Ausgangslage. Es brauchte nur wenige Versuche, ehe QB Bosse einen fünf-Yards Pass auf Receiver Arne Dettmer war, der sich direkt auf der Goalline befand und den Touchdown erzielte. Auch die anschließende Two-Point-Conversion erledigte Dettmer, dieses Mal zu Fuß (Stand 22:28).

Mit dem Beginn des vierten Quarter wurde schließlich offiziell die Aufholjagd eingeläutet. Die Defense bewies einmal mehr Willensstärke, indem sie eine Interception in der eigenen Endzone fing und so schlimmeres verhindern konnte. Von der eigenen 25-Yards Linie kämpfte sich die Offense über das gesamte Spielfeld, die verbleibenden Yards zur Endzone absolvierte dann Runningback Arthur Klassen mit einem Lauf durch die Mitte. Der Extrapunkt war erfolgreich und somit auch die Führung wiederhergestellt (Stand 29:28). Ritterhude hatte erneut eine Antwort parat und benötigte nur wenige Versuche für den nächsten Touchdown, um den nächsten Führungswechsel einzuleiten. Aufgrund einer starken Defense Leistung konnte die Two-Point-Conversion verhindert werden (Stand 29:34). Mit weniger als drei Minuten zu spielen legte Wolfsburg nochmals einen drauf und übertrumpfte sich dabei selbst. Trotz Zeitdruck fand die Offense immer wieder eine Lücke beim Gegner und arbeitete sich langsam voran. Durch einen weiteren Lauf von RB Walter war der Touchdown erzielt und die Sensation geschafft. Die anschließende Two-Point-Conversion wurde zwar gestoppt, trotzdem gingen die Wings wieder knapp in Führung (Stand 35:34). Schließlich brach die finale Minute an und ein weiteres Mal wurde die Defense auf den Prüfstand gestellt, die Endzone ein letztes Mal dicht zu halten. Doch auch die Badgers hatten noch ein Wörtchen mitzureden und schafften es immer wieder, sich nach vorne zu arbeiten und die Uhr anzuhalten. Mit nur noch einer Sekunde auf der Uhr und auf der 30-Yards Linie legten die Gäste alles in einen tiefen Pass, der mit etwas Glück sogar gefangen wurde und die Niederlage der Blue Wings besiegelte (Stand 35:40).

Wie geht es weiter? Die Blue Wings müssen in der finalen Phase nochmal alles geben.    Quelle: Martina Schnelle

Entsprechend groß war die Enttäuschung in den Gesichtern der Spieler, die vor heimischer Kulisse einen unnötigen Dämpfer hinnehmen mussten. „Das war ärgerlich, da wir uns mal wieder selbst geschlagen haben“ beurteilt Headcoach Stefan Trienke das Ergebnis und ergänzt: „Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass unsere Mannschaft genügend Potential hat, aber heute haben wir davon zu wenig genutzt.“ Dabei sieht Trienke den erfolgreichen Pass in der Schlusssekunde lediglich als Ergebnis einer Aneinanderreihung vieler Fehler, die bereits im Vorfeld entstanden sind. „Wir hätten uns gar nicht erst in diese Situation bringen dürfen, aber das Spiel ist nun mal so gelaufen.“ Auch in Bezug auf den Klassenerhalt hat der Headcoach klare Worte: „Mit den ganzen Rechenspielen brauchen wir noch nicht anzufangen. Fest steht: Es liegen noch drei Spiele vor uns und wir haben es selbst in der Hand.“ Das Potential der Mannschaft ist definitiv vorhanden, jetzt steht nur noch die Frage im Raum, ob sie auch einen gebührenden Abschluss hinbekommen.

In der Offense zeigt sich Offense-Coordinator Torsten Schitting größtenteils zufrieden: „Wir haben mehr als dreißig Punkte erzielt, obwohl einige unserer Starter nicht zur Verfügung standen. Dabei haben wir auch die Stärke unseres Laufspiels unter Beweis gestellt.“ Der einzige Kritikpunkt besteht für Schitting darin, dass „wir weniger Punkte als Ritterhude erzielt haben.“ Obwohl Wolfsburg im Passspiel sehr eingeschränkt war und hauptsächlich auf seine läuferischen Qualitäten beruhte, fanden die Badgers kaum Antworten und konnten diesem kaum etwas entgegensetzen. Bei Wolfsburgs Defense hingegen machte sich deutlich mehr Ernüchterung breit, da sie nicht nur beim entscheidenden Spielzug vorbeisegelten, sondern auch im gesamten Verlauf zu viele Fehler produzierten. „Wir kassieren zu viele Punkte. Das ist besonders ärgerlich, da wir im Vorfeld bereits wussten, was auf uns zukommt“ resultiert Defense-Coordinator Stefan Korten nach dem Abpfiff. Insbesondere in der Defense musste aufgrund vieler Ausfälle viel umgestellt und rotiert werden, dennoch sieht Korten darin keine Entschuldigung: „Manchmal fehlt uns die Verbissenheit und der Wille, noch ein Stück weiterzugehen.“ Im Hinspiel hat es noch für die Blue Wings gereicht, als sie genug Köpfchen bewiesen haben und Ritterhude in der Schlussphase keine Chance ließen. Dieses Mal steht die Mannschaft wieder vor vielen Fragezeichen. Die Saison befindet sich mittlerweile in der finalen Phase, ab September geht es dann wieder in die lange Winterpause. Innerhalb der nächsten Trainingseinheiten haben die Spieler es schließlich in der Hand, an den entsprechenden Stellschrauben zu drehen. Das nächste und letzte Heimspiel der Saison findet dann bereits am 17.08. gegen die Hamburg Pioneers statt.